web-zensurAufgrund eines Artikels im aktuellen c’t Magazin (Ausgabe 9/2009, Seite 20 ff), möchte auch ich einmal meinen Senf zum Thema Zensur im Web abgeben. Eines gleich vorweg: Kinderpornographie ist verboten und es ist auch wichtig und richtig etwas dagegen zutun. Es ist abartig, was Leute da auf Kosten anderer tun um sich selbst und ihre Triebe zu befriedigen! Kurz zur Situation, was gerade ist: Unsere Familienministerin Ursula von der Leyen möchte einen Webfilter einrichten, der Internetpräsenzen mit Kinderpornos filtert und sperrt. Ihr Ziel ist (offiziell), die Kinderpornographie zu stoppen. Das klingt doch gut, warum haben dann manche etwas dagegen? Nun diese Frage setzt vorraus, dass man in etwa weiß, was da genau geplant ist. In dem Gesetzesentwurf, ist von einer Filterliste die Rede, die vom BKA (Bundeskriminalamt) geführt wird und Werktäglich an die Provider gegeben wird. Diese Leiten dann die auf der Liste geführten Seiten auf eine Sperrseite des BKAs um. Das ganze soll per DNS Umleitung passieren. Also an dem Punkt, an dem der Domainname (bspw. www.example.com) in eine IP-Adresse umgewandelt und übersetzt wird (bspw. 127.0.0.1). Die Idee ist ja nicht schlecht, man hat nur geringen Aufwand diese Sperre umzusetzen - aber genausowenig Aufwand sie zu Umgehen. So kann man bspw einfach ein eigenen DNS Server am PC eintragen und schon wird alles wieder übersetzt. Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass es keinen anderen DNS Server gibt, so besteht weiterhin die Möglichkeit die IP einfach in das Adressfeld des Browsers einzutragen und man gelangt genau so auf die Seite. Man merkt also, dass eine solche Sperre leicht zu Umgehen ist, und soetwas kann jeder. Aber das eigentliche Problem an dem Gesetz ist die Grundidee - Zensur. Das tangiert sehr stark unsere Informationsfreiheit und allgemeine Persönlichkeitsrechte - letztlich unsere Verfassung. Auf die wir sehr, sehr stolz sein können. Das Problem ist nämlich nicht, dass etwas gegen Kinderpornographie getan werden soll, sondern, dass es keine Kontrollmöglichkeiten geben wird, welche Websiten auf der Liste landen. So könnte das BKA zum Beispiel auch eine radikal politische Seite, deren Meinung unerwünscht ist, auf diese Liste setzen. Niemand könnte etwas dagegen machen. Es ist desweiteren auch nicht vorgesehen, dass der Webseitenbetreiber informiert wird, wenn seine Domain auf der Liste steht. Es könnte ja zum Beispiel sein, dass ein Server gehackt wird und Kinderpornos darauf abgelegt werden. Das BKA bemerkt das und setzt die Seite, die eigentlich sauber ist, auf die Sperrliste. Selbst wenn der Betreiber die Sicherheitslücke geschlossen und die Bilder entfernt hat, so weiß er erstens nicht, das er auf der Liste steht und zweitens nicht, wie er da wieder herunter kommt. Also letztlich eine Blackbox, die unserem Prinzip der Demokratie und Gewaltenteilung wiederspricht. Sicher werden manche jetzt Behaupten, dass sie soetwas zum Schutz der Kinder in Kauf nehmen würden. Daher eine kurze Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit einer solchen Maßnahme. Da wäre zum einen das Argument, dass man mit Sperrung der Seiten, den Geldfluss und damit die Neuproduktion solcher Pornos verhindern würde. So Argumentiert das Familienministerium, dass „’bis zu 70 oder 80 Prozent der potenziellen Täter durch die Stoppmeldung [abgehalten werden könnten]’“ (c’t 2009, Heft 9 S. 21). Doch, wie es im Artikel weiter geschildert wird, ist es meist so, dass die Daten nicht über das Internet verteilt werden, sondern über den Postweg. Desweiteren vermutet Udo Vetter, dass es gar kein Kinderpornoindustrie gibt, die geschädigt werden könnte. Er ist Rechtsanwalt und vertritt häufig Personen, bei denen Kinderpornographie gefunden wurde. „Er betont: ’Alle haben Kinderpornos aus Tauschbörsen, Newsgroups, Chaträumen, Gratisbereichen des Usenet oder aus E-Mail-Verteilern. Manche kriegen es auf DVD, ganz normal mit der Post’[…] Bei neuem Material weiße vieles darauf hin, dass es sich um Missbrauch im privaten Umfeld handle, beispielsweise wiederholten sich die Kulissen nicht und die Qualität entspreche dem Niveau von Hobbyfilmern.“ (c’t 2009, Heft 9 S. 21). Es gibt noch viele solcher Ungereimtheiten in der Argumentation des Familienminsteriums. Ich möchte nur noch auf einen Punkt aufmerksam machen. Es ist erstaunlich, dass die meisten erfassten Seiten der Finnländer (bei denen eine solche Liste schon existiert), auf Servern in den USA, gefolgt von Australien, Niederlanden und Deutschland gehostet (gespeichert) werden. In allen diesen Ländern genügt ein Anruf bei dem Zuständigen Hoster und die Seite wird vom Netz genommen. Warum nicht gleich so? Weiterführende Links: